Gantt-Diagramm in Excel erstellen: Anleitung und Grenzen
Excel hat keinen Gantt-Diagrammtyp. Man baut ihn mit einem Trick: einem gestapelten Balkendiagramm, dessen erste Reihe unsichtbar gemacht wird. Das funktioniert und ist in zehn Minuten erledigt — hat aber eine klare Grenze.
- Hat Excel einen Gantt-Diagrammtyp?
- Schritt 1: Die Daten vorbereiten
- Schritt 2: Das gestapelte Balkendiagramm einfügen
- Schritt 3: Die erste Reihe unsichtbar machen
- Schritt 4: Die Reihenfolge umkehren
- Schritt 5: Datumsachse korrigieren
- Schritt 6: Feinschliff
- Ein durchgerechnetes Beispiel: sechs Vorgänge, dann ein Verzug
- Was Excel Ihnen gibt und was nicht
- Fortschritt und Abhängigkeiten nachrüsten
- Der Weg ohne Diagramm: bedingte Formatierung
- Vorlage statt Selbstbau
- Wo die Methode endet
Hat Excel einen Gantt-Diagrammtyp?
Nein. Öffnen Sie Einfügen ▸ Diagramme, finden Sie Säulen, Balken, Linien, Kreise, Flächen und Punktwolken — aber nichts, was „Gantt“ heißt. Was stattdessen überall verwendet wird, ist ein gestapeltes Balkendiagramm, bei dem die erste gestapelte Datenreihe unsichtbar formatiert wird. Übrig bleibt pro Zeile ein schwebender Balken, der genau dort beginnt, wo der Vorgang beginnt — optisch ein Gantt-Diagramm, technisch ein Balkendiagramm mit einer versteckten Reihe.
Microsoft liefert unter Datei ▸ Neu mehrere herunterladbare Vorlagen mit Namen wie „Gantt-Projektplaner“. Auch die sind kein eigener Diagrammtyp: Sie verwenden entweder denselben Stapeltrick oder eine bedingte Formatierung über einem Kalenderraster. Beide Verfahren erklären wir hier — das erste ausführlich, das zweite als Alternative für alle, die lieber ohne Diagrammobjekt arbeiten.
Die folgenden sechs Schritte bauen das Diagramm von Grund auf. Das dauert beim ersten Mal etwa zehn Minuten und hat den Vorteil, dass Sie hinterher jedes Element verstehen — was wichtig ist, denn beim Ändern eines Excel-Gantt-Diagramms geht ohne dieses Verständnis regelmäßig etwas kaputt.
Schritt 1: Die Daten vorbereiten
Legen Sie auf einem leeren Blatt vier Spalten an: Vorgang (A), Start (B), Ende (C) und Dauer (D). Tragen Sie in B und C echte Datumswerte ein, nicht Text — Excel muss sie als Datum erkennen, sonst rechnet nichts.
- Dauer berechnen Sie in D2 mit
=C2-B2und ziehen die Formel nach unten. Excel speichert Datumswerte intern als fortlaufende Zahlen, die Subtraktion ergibt deshalb schlicht eine Anzahl Tage. - Abstand zum Projektstart ist die zweite Hilfsspalte (E) und der eigentliche Kniff:
=B2-$B$2, wenn in B2 der früheste Projekttermin steht. Sie gibt an, wie viele Tage nach Projektbeginn ein Vorgang startet.
Der Fehler, der an dieser Stelle am häufigsten passiert: Excel übernimmt in die Hilfsspalten automatisch das Datumsformat der Ausgangszellen, und aus der Zahl 4 wird der 04.01.1900. Markieren Sie deshalb die Spalten Dauer und Abstand und stellen Sie unter Start ▸ Zahl das Format auf Standard oder Zahl um. Wenn Ihr Diagramm später unsinnige Balkenlängen zeigt, ist fast immer das die Ursache.
Für ein kleines Beispiel genügen fünf Zeilen: Recherche (1.–5. Juli, 4 Tage), Konzept (5.–12. Juli, 7 Tage), Umsetzung (12.–26. Juli, 14 Tage), Test (26. Juli–2. August, 7 Tage) und Freigabe (2.–4. August, 2 Tage). Der Abstand zum Projektstart lautet dafür 0, 4, 11, 25 und 32.
Schritt 2: Das gestapelte Balkendiagramm einfügen
Markieren Sie zuerst die Spalte Vorgang, halten Sie dann die Strg-Taste gedrückt und markieren Sie zusätzlich Abstand und Dauer. Die Spalte Ende bleibt außen vor — das Diagramm braucht nur Startversatz und Länge.
Dann Einfügen ▸ Diagramme ▸ Balken ▸ Gestapelte Balken (2D). Excel zeichnet pro Zeile zwei aneinandergesetzte Segmente: links den Abstand, rechts die Dauer. Das sieht noch nicht nach einem Terminplan aus, sondern nach einem gewöhnlichen Balkendiagramm — das ist an dieser Stelle richtig so.
Falls Excel die Spalten falsch zuordnet, öffnen Sie mit einem Rechtsklick auf das Diagramm den Dialog Daten auswählen und prüfen Sie: Abstand muss die erste, Dauer die zweite Datenreihe sein, und die Vorgangsnamen gehören auf die Achsenbeschriftung der Rubrikenachse. Die Reihenfolge der Reihen lässt sich dort mit den Pfeiltasten korrigieren.
Schritt 3: Die erste Reihe unsichtbar machen
Das ist der entscheidende Handgriff. Klicken Sie einmal auf ein beliebiges Segment der Abstandsreihe — damit ist die gesamte Reihe markiert, nicht nur ein einzelner Punkt. Rechtsklick, Datenreihen formatieren, dann im Bereich Füllung und Linie:
- Füllung ▸ Keine Füllung
- Rahmen ▸ Keine Linie
Die vorderen Segmente verschwinden, und jeder Dauerbalken schwebt an der Stelle, die seinem Startdatum entspricht. Genau in diesem Moment wird aus dem Balkendiagramm ein Gantt-Diagramm. Vergessen Sie den Rahmen nicht: Bleibt er stehen, sieht man weiterhin die Umrisse der unsichtbaren Segmente, und das Ergebnis wirkt unsauber.
Schritt 4: Die Reihenfolge umkehren
Excel zeichnet in Balkendiagrammen die erste Tabellenzeile ganz unten. Ihre Vorgangsliste steht also auf dem Kopf, und der letzte Vorgang steht oben.
Klicken Sie auf die vertikale Achse mit den Vorgangsnamen, Rechtsklick, Achse formatieren, und setzen Sie unter Achsenoptionen das Häkchen bei Kategorien in umgekehrter Reihenfolge. Der erste Vorgang springt nach oben, und die Liste liest sich wieder wie Ihre Tabelle.
Dadurch wandert allerdings die Datumsachse an den unteren Rand. Setzen Sie im selben Bereich zusätzlich Horizontale Achse schneidet: Beim Höchstwert der Kategorie, dann steht die Zeitachse wieder oben — dort, wo man sie in einem Terminplan erwartet.
Schritt 5: Datumsachse korrigieren
Die horizontale Achse beginnt zunächst bei null, sodass links ein breiter leerer Streifen entsteht. Klicken Sie die Achse an, öffnen Sie Achse formatieren und setzen Sie unter Grenzen das Minimum auf den Projektstart und das Maximum auf das Projektende.
Excel erwartet hier serielle Zahlen, keine Datumsangaben. Der schnellste Weg dorthin: Schreiben Sie das gewünschte Datum in eine leere Zelle, formatieren Sie diese als Standard und lesen Sie die Zahl ab — der 1. Juli 2026 ist beispielsweise 46204. Diesen Wert tragen Sie als Grenze ein.
Setzen Sie anschließend die Haupteinheit auf 7, wenn Sie Wochenraster wollen, oder auf 14 für zweiwöchige Abstände. Unter Zahl stellen Sie das Format der Achse auf ein Datumsformat wie TT.MM., damit statt der seriellen Zahlen lesbare Termine erscheinen.
Schritt 6: Feinschliff
Vier kleine Eingriffe machen aus dem funktionierenden Diagramm ein vorzeigbares:
- Abstandsbreite in Datenreihen formatieren ▸ Reihenoptionen auf etwa 30 bis 50 Prozent reduzieren. Die Balken werden dicker, das Diagramm wirkt kompakter.
- Legende löschen — sie zeigt nur noch „Abstand“ und „Dauer“ und erklärt nichts.
- Phasen farblich trennen: Einzelne Punkte der Dauerreihe lassen sich getrennt einfärben, indem Sie zweimal langsam auf einen Balken klicken und nur diesen formatieren.
- Meilensteine ergänzen Sie als zusätzliche Datenreihe mit dem Wert null, die Sie über Diagrammtyp der Datenreihe ändern in einen Punkt (XY) umwandeln und mit einer Rautenmarkierung versehen.
Ein durchgerechnetes Beispiel: sechs Vorgänge, dann ein Verzug
Die sechs Schritte oben sind Mechanik. Ob die Datei ein echtes Projekt überlebt, entscheidet sich an den Formeln — und daran, was mit ihnen passiert, wenn sich der Plan ändert.
Hinweis zur Sprachversion. Alle Formeln hier sind für ein deutschsprachiges Excel geschrieben: deutsche Funktionsnamen und Semikolon als Argumenttrennzeichen. In einem englischsprachigen Excel heißen dieselben Funktionen WORKDAY, WEEKDAY, AND und TODAY, und getrennt wird mit Komma. Das Trennzeichen hängt zusätzlich an den Regions- und Sprachoptionen von Windows: Steht das Listentrennzeichen dort auf Komma, erwartet auch ein deutsches Excel Kommas. Wenn eine Formel unten mit „Es liegt ein Fehler in der Formel vor“ abgelehnt wird, ist fast immer das die Ursache — tauschen Sie die Semikolons gegen Kommas, bevor Sie irgendetwas anderes suchen.
Das Tabellenblatt. Die Umstellung des Onlineshops der Kaffeerösterei Hansen, Beginn Montag, 2. März 2026. Überschriften in Zeile 1, Vorgänge in den Zeilen 2 bis 7. Spalten: A Vorgang, B Start, C Ende, D Arbeitstage, E Balkenlänge. In H2:H6 stehen die Feiertage — Karfreitag 3.4., Ostermontag 6.4., Tag der Arbeit 1.5., Christi Himmelfahrt 14.5. und Pfingstmontag 25.5. Nur Spalte D wird von Hand getippt, alles Übrige ist abgeleitet:
- C2, das Ende —
=ARBEITSTAG(B2;D2-1;$H$2:$H$6). Das-1ist entscheidend:ARBEITSTAGzählt vorwärts, ein Vorgang, der montags beginnt und fünf Arbeitstage dauert, endet also beiARBEITSTAG(Mo;4)am Freitag. Ohne das Minus eins läuft jeder Vorgang einen Tag zu lang. - B3, der Start jedes folgenden Vorgangs —
=ARBEITSTAG(C2;1;$H$2:$H$6). Diese eine Formel ist der einzige Grund, warum das Blatt überhaupt neu rechnet. - E2, die Zahl, die das Diagramm zeichnet —
=C2-B2+1. NichtD2. D sind Arbeitstage, die Diagrammachse dagegen ist ein Kalender einschließlich Wochenenden: Ein Vorgang mit 20 Arbeitstagen muss als 30-Tage-Balken gezeichnet werden. Diese beiden zu verwechseln ist der häufigste Grund, warum ein Excel-Gantt seiner eigenen Tabelle widerspricht.
C2 und E2 nach unten bis Zeile 7 ziehen, B3 bis Zeile 7:
| Zeile | A — Vorgang | B — Start | C — Ende | D — Arbeitstage | E — Balkenlänge |
|---|---|---|---|---|---|
| 2 | Analyse | Mo 2. März | Fr 13. März | 10 | 12 |
| 3 | Konzept | Mo 16. März | Fr 27. März | 10 | 12 |
| 4 | Umsetzung | Mo 30. März | Di 28. April | 20 | 30 |
| 5 | Datenmigration | Mi 29. April | Do 21. Mai | 15 | 23 |
| 6 | Qualitätssicherung | Fr 22. Mai | Fr 5. Juni | 10 | 15 |
| 7 | Livegang | Mo 8. Juni | Mo 8. Juni | 1 | 1 |
Lesen Sie Spalte D gegen Spalte E: Die Umsetzung hat 20 Arbeitstage und einen 30 Kalendertage langen Balken. Die Differenz sind acht Wochenendtage und zwei Feiertage — Karfreitag und Ostermontag liegen mitten in diesem Vorgang. Genau dafür steht der Bereich $H$2:$H$6 in der Formel. Ein Blatt ohne Feiertagsliste rechnet das Osterwochenende durch und verspricht einen Livegang, den niemand halten kann.
Die Achse. Excel will für die Achsengrenzen serielle Zahlen, keine Datumswerte. Tippen Sie =B2 in eine freie Zelle und formatieren Sie diese als Standard, um eine abzulesen: Der 2. März 2026 ist 46083, der 8. Juni 2026 ist 46181. Diese beiden Zahlen kommen in Minimum und Maximum, die Haupteinheit auf 7 für Wochenraster.
Jetzt ändern Sie etwas. Das Konzept läuft drei Tage über. Sie ändern eine einzige Zelle — D3 von 10 auf 13 — und die Kette rechnet sich neu: Das Konzept endet Mi 1. April, die Umsetzung läuft Do 2. April bis Mo 4. Mai, die Datenmigration Di 5. Mai bis Mi 27. Mai, die Qualitätssicherung Do 28. Mai bis Mi 10. Juni, der Livegang fällt auf Do 11. Juni. Drei Tage hinein, drei Tage heraus. Das ist das Blatt von seiner besten Seite, und es ist ehrlich nützlich.
Und das geht dabei kaputt:
- Der letzte Balken läuft aus dem Diagramm. Der Livegang ist auf den 11. Juni gewandert, seriell 46184 — hinter der 46181, die Sie als Achsenmaximum fest eingetragen haben. Der Balken wird abgeschnitten, und nichts warnt Sie. Jede Terminänderung bedeutet, eine serielle Zahl neu abzulesen und eine Achsengrenze neu zu tippen.
- Eine eingefügte Zeile hängt nur halb im Plan. Ergänzen Sie zwischen Konzept und Umsetzung eine Zeile „Freigabe durch die Geschäftsführung“: Excel erweitert zwar den Datenbereich des Diagramms, aber die neue Zeile kommt ohne Formeln, und die alte Umsetzungszeile zeigt weiterhin auf das Konzept. Übersehen Sie das, liest sich der Plan richtig und terminiert falsch. Hängen Sie die Zeile stattdessen unter Zeile 7 an, fällt sie aus dem Bereich und erscheint überhaupt nicht.
- Ein zweiter Vorgänger hat keinen Platz. Braucht die Qualitätssicherung sowohl die Umsetzung als auch die Datenmigration, lautet die ehrliche Formel
=ARBEITSTAG(MAX(C4;C5);1;$H$2:$H$6). Sie funktioniert — aber im Diagramm zeigt nichts diese Verknüpfung, und die nächste Person sieht nur ein Datum. Kommt eine fünftägige Freigabefrist als Zeitabstand hinzu, wird daraus=ARBEITSTAG(C3;1+5;$H$2:$H$6): eine nackte 5 in einer Formel, nirgends beschriftet.
Spalte B als Formel kauft Ihnen die Neuberechnung entlang einer Kette. Sie kauft Ihnen kein Netz. Nichts in dieser Datei kann Ihnen sagen, welches Vorgangspaar den Endtermin bestimmt — weil nichts darin weiß, dass die beiden zusammenhängen.
Was Excel Ihnen gibt und was nicht
Beide Verfahren zeichnen ein durchaus vorzeigbares Bild eines Terminplans. Terminiert wird von keinem der beiden etwas. Dieser Unterschied geht leicht verloren, sobald die Balken richtig aussehen — deshalb hier ausdrücklich:
| Fähigkeit | Gestapelte Balken | Bedingte Formatierung | Echte Terminplanung |
|---|---|---|---|
| Wochenenden und Feiertage ausgenommen | Ja, über ARBEITSTAG | Ja, über ARBEITSTAG | Ja, eingebaut |
| Eine einzelne EA-Kette rechnet neu | Ja, wenn der Start eine Formel ist | Ja, wenn der Start eine Formel ist | Ja |
| Sichtbare Verknüpfungspfeile | Nein | Nein | Ja |
| Zwei Vorgänger an einem Vorgang | Nur als verstecktes MAX() | Nur als verstecktes MAX() | Ja |
| Verknüpfungsarten AA, EE und AE | Nein | Nein | Ja |
| Beschrifteter Zeitabstand an einer Verknüpfung | Nein — eine nackte +5 in der Formel | Nein — eine nackte +5 in der Formel | Ja |
| Kritischer Pfad | Nein | Nein | Berechnet |
| Gesamtpuffer je Vorgang | Nein | Nein | Berechnet |
| Auslastung und Überlastungswarnung | Nein | Nein | Ja |
| Basisplan und Abweichung | Spalten von Hand kopieren | Spalten von Hand kopieren | Gespeichert und verglichen |
| Übersteht das Einfügen einer Zeile | Formeln müssen nachgetragen werden | Meistens | Ja |
| Übersteht das Sortieren der Zeilen | Nein — Bezüge folgen der Position | Nein | Ja |
| Meilensteine als Rauten | Eigene Markierungsreihe von Hand | Eigene Regel von Hand | Ja |
Das ist eine konkrete Aussage, keine Abwertung: Ein gestapeltes Balkendiagramm ist die Zeichnung eines Terminplans, den Sie anderswo ausgerechnet haben. Für ein Dutzend Vorgänge, die ungefähr hintereinander liegen, reicht das, und die Tabellenkalkulation ist dann das richtige Werkzeug. Nur sind die mittleren Zeilen dieser Tabelle genau das, wonach im Statustermin gefragt wird — und darauf kann die Datei nichts antworten.
Fortschritt und Abhängigkeiten nachrüsten
Fortschritt lässt sich mit einer weiteren Hilfsspalte darstellen. Legen Sie eine Spalte Fertig in Prozent an und daneben eine Spalte Erledigt mit =Dauer*Prozent. Diese neue Spalte fügen Sie über Daten auswählen ▸ Hinzufügen als dritte gestapelte Reihe ein und färben sie dunkler als die Dauerreihe. Damit die Summe stimmt, muss die Dauerreihe dann allerdings nur noch den Restanteil enthalten — andernfalls werden die Balken zu lang. Der praktikablere Weg ist deshalb, die Dauer in „Erledigt“ und „Rest“ aufzuteilen und beide zu stapeln.
Abhängigkeiten kennt Excel nicht. Es gibt keine Pfeile zwischen Balken, und das Verschieben eines Vorgangs verschiebt keinen anderen. Der übliche Behelf ist, das Startdatum eines Nachfolgers als Formel auf das Ende des Vorgängers zu setzen — etwa =C2 oder =C2+1. Damit läuft eine Änderung immerhin die Spalte hinunter. Sichtbare Verknüpfungen entstehen dadurch nicht, verzweigte Ketten mit mehreren Vorgängern werden schnell unlesbar, und Puffer oder ein kritischer Pfad lassen sich so nicht ermitteln.
Der Weg ohne Diagramm: bedingte Formatierung
Wer sich mit Diagrammobjekten nicht anfreunden mag, baut das Gantt-Diagramm direkt in die Zellen. Legen Sie in der Kopfzeile ab Spalte F fortlaufende Datumswerte an — eine Spalte je Tag oder je Woche — und lassen Sie Vorgang, Start und Ende links stehen.
Für den Shop der Kaffeerösterei Hansen heißt das konkret: =B2 in G1, =G1+1 in H1, nach rechts gezogen über die Projektdauer — der 2. März bis 8. Juni sind einschließlich 99 Tage, also bis Spalte DC. Formatieren Sie die Zeile als TTT und ziehen Sie die Spalten auf etwa 20 Pixel schmal.
Markieren Sie anschließend G2:DC7, wobei G2 die aktive Zelle sein muss — das ist wichtig, weil die Formel aus Sicht der aktiven Zelle geschrieben und für alle anderen versetzt angewendet wird. Unter Start ▸ Bedingte Formatierung ▸ Neue Regel ▸ Formel zur Ermittlung der zu formatierenden Zellen verwenden legen Sie drei Regeln in dieser Reihenfolge an (deutsche Funktionsnamen, Semikolon als Trennzeichen):
=UND(G$1>=$B2;G$1<=$C2)— Ihre Balkenfarbe. Die gemischten Bezüge sind der ganze Trick:G$1fixiert die Zeile, damit jede Spalte ihr eigenes Datum liest,$B2fixiert die Spalte, damit jede Zeile die Termine ihres eigenen Vorgangs liest.=WOCHENTAG(G$1;2)>5— hellgrau. Der Rückgabetyp 2 zählt Montag als 1 bis Sonntag als 7,>5trifft also genau Samstag und Sonntag. Der Standardtyp 1 beginnt am Sonntag und würde die falschen zwei Tage einfärben — ein Fehler, der in einem Plan mit deutscher Wochenzählung sofort auffällt.=G$1=HEUTE()— ein farbiger linker Rahmen, und Sie haben eine Heute-Linie.
Die Regeln werden von oben nach unten ausgewertet, und die erste Füllung gewinnt. Die Balkenregel muss deshalb über der Wochenendregel stehen, sonst bekommt jeder Balken samstags graue Streifen. Feiertage lassen sich als vierte Regel über einen ZÄHLENWENN-Vergleich mit derselben Liste $H$2:$H$6 ergänzen.
Der Vorteil: Das Raster aktualisiert sich bei jeder Terminänderung von selbst, es druckt sauber und lässt sich beliebig um Spalten erweitern. Der Nachteil: Bei mehr als einem Quartal in Tagesspalten wird das Blatt sehr breit, und Meilensteine, Fortschritt und Farbcodes brauchen jeweils eine eigene zusätzliche Regel.
Vorlage statt Selbstbau
Wenn Sie nur eine funktionierende Datei brauchen, sparen Sie sich die sechs Schritte: Unsere kostenlose Excel-Vorlage enthält die Vorgangstabelle, die Hilfsspalten, das gestapelte Diagramm mit unsichtbarer erster Reihe, die umgekehrte Achsenreihenfolge und ein formatiertes Datumsraster bereits fertig eingerichtet. Sie tragen Vorgänge und Termine ein, das Diagramm folgt. In der Vorlagenübersicht finden Sie außerdem branchenspezifische Varianten für Bau, Marketing und Softwareentwicklung.
Wo die Methode endet
Excel kennt keine Abhängigkeiten. Verschiebt sich ein Vorgang, müssen Sie jedes nachfolgende Startdatum von Hand anpassen — und genau das unterbleibt in der Praxis nach der zweiten Änderung. Ab da beschreibt die Datei einen Plan, den es nicht mehr gibt.
Ebenfalls nicht vorhanden: der kritische Pfad, die Berechnung von Puffer, ein echter Basisplan zum Vergleich von Soll und Ist sowie jede Form von Ressourcenauslastung. Dazu kommt der Pflegeaufwand am Diagramm selbst: Jeder neue Vorgang bedeutet, den Datenbereich zu erweitern und gegebenenfalls Farben nachzuziehen.
Bis etwa zwanzig Vorgänge und bei einem Plan, der sich kaum ändert, ist Excel eine vernünftige Wahl — besonders, wenn die Daten ohnehin schon in einer Tabelle liegen. Darüber hinaus kostet die Handpflege mehr Zeit, als das Werkzeug spart. gantts.app rechnet Verschiebungen selbst, zeichnet Verknüpfungen als Pfeile, hebt den kritischen Pfad hervor und exportiert das Ergebnis auf Wunsch wieder als XLSX — ohne Konto und ohne Installation.
Derselbe Shop-Umzug ohne eine einzige Formel, mit den Schaltflächen so beschriftet, wie sie tatsächlich heißen:
- Öffnen Sie ✨ In Gantt einfügen und fügen Sie die sechs Zeilen ein — Datenmigration (15d) nach Umsetzung, am Ende Livegang! Es gibt keine Hilfsspalten, keine Balkenlänge und keine serielle Zahl.
- Tragen Sie unter Kalender Karfreitag, Ostermontag, den 1. Mai, Christi Himmelfahrt und Pfingstmontag ein. Das ersetzt den Bereich
$H$2:$H$6— nur muss ihn hier keine Formel kennen. - Ein Doppelklick auf eine Zeile öffnet Nach (Vorgänger). Hier tragen Sie zwei Vorgänger an der Qualitätssicherung ein, statt ein
MAX()in einer Formel zu verstecken. - Klicken Sie auf Neu planen. Ändern Sie danach die Dauer des Konzepts von 10 auf 13 Tage: Der Livegang wandert auf den 11. Juni, und der Balken läuft nicht aus dem Diagramm, weil es keine fest eingetippte Achsengrenze gibt.
- Setzen Sie das Häkchen bei Kritischer Pfad. Das ist die Zeile aus der Vergleichstabelle, die Excel gar nicht anbieten kann.
- Speichern Sie ◳ Basisplan, bevor die Umsetzung beginnt, statt die Spalten B und C in ein zweites Tabellenblatt zu kopieren.
- Zurück in die Tabellenwelt kommen Sie über ⬇ Export ▸ 📊 Excel (.xlsx) — Sie erhalten die Datei, ohne den gestapelten Balken je von Hand gebaut zu haben. Ebenfalls dort: 📄 PDF-Dokument, 📑 CSV (Tabelle) und 📽 PowerPoint (.pptx).
Häufige Fragen
Hat Excel einen Gantt-Diagrammtyp?
Nein. Im Menü Einfügen ▸ Diagramme gibt es keinen Eintrag „Gantt“. Man erstellt ihn aus einem gestapelten Balkendiagramm, dessen erste Datenreihe mit „Keine Füllung“ und „Keine Linie“ unsichtbar formatiert wird. Auch die von Microsoft angebotenen Gantt-Vorlagen verwenden intern genau diesen Trick oder eine bedingte Formatierung.
Warum sind meine Balken in der falschen Reihenfolge?
Excel zeichnet in Balkendiagrammen die erste Tabellenzeile unten. Markieren Sie die vertikale Achse, öffnen Sie „Achse formatieren“ und setzen Sie das Häkchen bei „Kategorien in umgekehrter Reihenfolge“. Zusätzlich empfiehlt sich „Horizontale Achse schneidet: Beim Höchstwert der Kategorie“, damit die Datumsachse oben bleibt.
Warum zeigt meine Hilfsspalte ein Datum statt einer Zahl?
Weil Excel das Datumsformat der Ausgangszellen auf die Ergebniszelle überträgt. Markieren Sie die Spalten „Dauer“ und „Abstand“ und stellen Sie das Zahlenformat auf „Standard“ oder „Zahl“. Das ist der mit Abstand häufigste Grund für unsinnige Balkenlängen.
Wie stelle ich den Fortschritt in Prozent dar?
Über eine zusätzliche Hilfsspalte: Dauer mal Fertigstellungsgrad ergibt den erledigten Anteil, die Restdauer den Rest. Beide werden als getrennte gestapelte Reihen eingefügt, der erledigte Teil dunkler eingefärbt. Der Balken zeigt damit sichtbar, wie weit der Vorgang gediehen ist.
Kann Excel Abhängigkeiten abbilden?
Nicht automatisch. Es gibt keine Verknüpfungspfeile und keine Neuberechnung. Man kann das Startdatum eines Nachfolgers per Formel an das Ende des Vorgängers binden, sodass Änderungen die Spalte hinunterlaufen — verzweigte Ketten, Puffer und ein kritischer Pfad lassen sich so aber nicht abbilden.
Bis zu welcher Größe eignet sich Excel?
Bis etwa zwanzig Vorgänge und bei einem Plan, der sich selten ändert. Darüber übersteigt der Pflegeaufwand den Nutzen deutlich, weil jede Terminverschiebung von Hand durch alle Nachfolger getragen werden muss.
Gibt es eine Gantt-Vorlage für Excel?
Ja — unsere Vorlage lässt sich als XLSX herunterladen und enthält Hilfsspalten, unsichtbare erste Datenreihe, umgekehrte Achsenreihenfolge und formatierte Datumsachse bereits fertig eingerichtet.
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